Train Otaku: Japans Kultur des Zugbeobachtens
In Japan gibt es ein eigenes Wort für Zugliebhaber: tetsudou otaku, oft verkürzt zu „Train Otaku". Manche sammeln Fahrpläne. Manche reisen quer durchs Land, um eine seltene Lokomotive zu fotografieren. Andere schauen einfach stundenlang von der Zugspitze aus zu und filmen die Strecke geradeaus. Auch diese Gewohnheit hat einen eigenen Namen, zenmen tenbou, Frontalansicht-Aufnahmen, und sie ist still zu einem der langlebigsten Videogenres des Landes geworden. DVDs mit ungeschnittenen Führerstandsfahrten verkaufen sich seit Jahrzehnten. Auf YouTube erreichen einstündige Aufnahmen ganz gewöhnlicher Pendlerstrecken regelmäßig Millionen Aufrufe.
Auffällig ist, wie wenig in diesen Videos passiert, und wie wenig das zu stören scheint. Ein Signal wechselt. Ein Bahnsteig taucht auf und leert sich wieder. Der Rhythmus der Schienen zieht darunter vorbei. Niemand versucht, die Fahrt aufregend zu machen, denn die Fahrt war nie das Problem. Man musste sie nur ganz und ohne Eile zeigen, damit die Leute zuschauen wollten.
Wir haben unseren Zugkanal genau deshalb Train Otaku genannt. Lange bevor langsames Fernsehen anderswo einen Namen hatte, hatten Japans Bahnfans längst herausgefunden, dass ein Zugfenster, sich selbst überlassen, genug ist.
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