Digitale Detox-Fernsehen: Warum "langweiliges" TV gerade seinen Moment hat
Eine Zeit lang bewegte sich das Fernsehen nur in eine Richtung: kürzere Folgen, schnellere Schnitte, mehr Geschehen pro Minute, darauf ausgelegt, dass man nicht wegschaut. Langsames Fernsehen bewegt sich gegen all das. Eine Zugfahrt, eine Küste, eine Straße in der Dämmerung, lang gefilmt und ganz gezeigt, ohne dass etwas nach Aufmerksamkeit verlangt, aber auch ohne dass man bestraft wird, wenn man wegschaut.
Dieser Unterschied beginnt mehr zu zählen als früher. Die meisten Menschen verbringen ihren Tag ohnehin schon damit, zwischen Tabs, Benachrichtigungen und Feeds hin- und hergerissen zu werden, die nie wirklich enden. Einen Kanal ohne Handlung und ohne etwas, das zu Ende geht, einzuschalten, ist eine kleine, bewusste Pause davon. Man verpasst nichts, wenn man zehn Minuten verpasst. Man muss sich nicht konzentrieren. Der Ort ist einfach da, in seinem eigenen Tempo, egal ob man halb hinschaut oder ganz vertieft ist.
Wir verstehen unsere Kanäle nicht als Hintergrundgeräusch, auch wenn sie dafür ebenfalls gut funktionieren. Wir verstehen sie eher als eine Art Fernsehen für einen anderen Appetit: nicht mehr Reiz, sondern weniger, und ein Ort, der genauso ruhig bleibt, wie er war, als man ihn einschaltete.
Mehr aus dem Journal
- Was die Bahnen Ihnen über Ihren Interrail-Pass nicht sagen
- Anschluss verpasst? Es gibt eine Regel, die fast niemand erwähnt
- Tourismus-Marketing ohne soziale Medien: Antworten auf die Fragen, die wir ständig hören
- Der günstigste Kanal, den Sie je starten werden, ist der, den Sie bereits gefilmt haben
- Der am wenigsten genutzte Bildschirm im Reiseverkehr ist der, auf den alle schon starren
- Niemand lehnt sich für ein Reel zurück
- Was, wenn das Marketing Ihres Reiseziels nicht jeden Tag gefüttert werden müsste?
- Das Problem, ein Reiseziel in Likes zu messen
- Warum Tourismusverbände in den sozialen Medien still und leise ausbrennen
- Italiens Panoramazüge verdienen die langsame Behandlung
- Islands Ringstraße, im langsameren Tempo
- Die besten Slow-TV-Zugreisen der Welt
- Wie ein Slow-Travel-Kanal wirklich aussieht: ein Hinweis für Tourismusverbände
- So siehst du Slow Travel TV auf dem großen Bildschirm (schon jetzt)
- Train Otaku: Japans Kultur des Zugbeobachtens
- Die Geburtsstätte des Slow TV: Wie alles in Norwegen begann
- Was langsames Reisen wirklich bedeutet
- Warum unsere Reisen eine Stunde oder länger dauern
- Das 49-€-Deutschlandticket: leicht zu starten, schwer zu stoppen